Welchen Mehrwert hat eine Benotung/Bewertung heute und in Zukunft?

Welchen Mehrwert hat eine Benotung/Bewertung heute und in Zukunft?

    • Markus
      Teilnehmer
      Themen: 6
      Antworten: 31

      Nachdem die Frage nach Benotung/Bewertung ja oder nein bereits bei den Fragen gestellt wurde und jetzt im Forum auch als erster Kommentar kommt, würde ich das ganz gerne auch hier und nicht in einer neuen Gruppe diskutieren.

    • Timo
      Teilnehmer
      Themen: 1
      Antworten: 11

      Wäre es denkbar, auf eine Bewertung grundsätzlich zu verzichten? oder anders formuliert: inwiefern ist ein Zeugnis wie sie heute (noch) ausgegeben werden für Arbeitgeber in Zukunft überhaupt noch aussagekräftig?

    • Markus
      Teilnehmer
      Themen: 6
      Antworten: 31

      Hat das Zeugnis von heute eine Aussagefähigkeit? Kann ich z.B. das Zeugnis von Viertklässlern zweier Schulen miteinander vergleichen? Kann ich das Abiturzeugnis von Bayern und Berlin miteinander vergleichen?

      Nehmen wir den Erste Hilfe Kurs bei einigen Prüfungen (z.B. Führerscheinprüfung, Trainerlehrgang). Warum gibt es da keine Benotung/Bewertung und nur eine Teilnehmerbestätigung?

      Ich gehe davon aus, dass es auch ohne Noten gehen würde.

      Beim Online lernen könnte ich mir auch vorstellen, dass die Maschine die relevanten Daten ausliest (z.B. wie viele Kommentare wurden abgegeben?, wie oft wurde die Seite aufgerufen?, wie lange verblieben die Besucher auf der Seite? usw.). Auch daraus könnte man eine Bewertung/Benotung ableiten.

    • Nataliya
      Teilnehmer
      Themen: 7
      Antworten: 46

      Ist es nicht sinnvoller über den Fortschritt gemeinsam zu reflektieren? Allerdings ist eine Skala nicht zum Vergleich untereinander, sondern individuell anzuwenden, inwiefern man eine Tätigkeit beherrscht oder eben nicht. Und man kann es dann irgendwann oder eben nicht.

    • Markus
      Teilnehmer
      Themen: 6
      Antworten: 31

      Wer ist „gemeinsam“?

      Was heißt eine „Tätigkeit beherrschen“? Ich kann Autofahren – viele Jahre unfallfrei, bei Schnee usw. Beherrsche ich damit diese Tätigkeit? Verglichen mit einem Ralley- oder Formel 1-Fahrer wahrscheinlich nicht – aber ich soll mich ja nicht vergleichen.

      Nehmen wir eine andere Skala: zum Beispiel Hochsprung. Im Abitur zählt die absolute Höhe. Wenn jemand 20 cm kleiner ist und nur 10 cm weniger hoch springt als der Größere, ist er prozentual zur Körpergröße der Bessere. In der Bewertung kommt er schlechter weg. Welche Skala benutze ich? Absolute oder relative Höhe?

      Wer legt den Zeitpunkt für das gemeinsame reflektieren fest? Wann muss ein Kind das Kleine 1×1 können und warum genau zu diesem Zeitpunkt? Noch dazu sind heute beim Zeitpunkt in der Schule knapp 1 Jahr Unterschied (in welchem Monat wurde das Kind geboren?).

      Ich erlebe Entwicklungsgespräche und Zielvereinbarungsgespräche in denen das passiert. Sind die Noten und Bewertungen überlegen und angenehmer für die Teilnehmer?

    • Nataliya
      Teilnehmer
      Themen: 7
      Antworten: 46

      Zuerst das Beispiel mit dem Autofahren: eine Instanz kann bezeugen, ob du eine Tägigkeit beherrschst. Du kannst dich an eine Fahrschule wenden, um ein Führerschein zu bekommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du nach dem 1 oder 20 Versuch bestanden hast. Noten gibt es da nicht. Man kann sich mit dem „Zeugnis“ als Fahrer für einen Job als Pizzadienst oder bei Formel 1 bewerben – es hängt von deiner Persönlichkeit ab, was du werden willst.

       

    • Nataliya
      Teilnehmer
      Themen: 7
      Antworten: 46

      Gemeinsam=Lehrer, Schüler und zumindest ein Elternteil. Wer, was, wann beherrscht hängt natürlich von vielen Faktoren ab: Vorwissen & koginitive Fähigkeiten, soziales Status, Lernverhalten etc.

      Ansonsten finde es nicht zeitgemäß, dass der Lehrplan es vorgibt, wann die Kinder das kleine 1×1 können müssen. Aber momentan muss es spätestens nach der 3. Klasse sitzen. Dabei gibt es Schüler, die es nie beherrschen werden, aufgrund ihrer IQ. Und hoffentlich sehen es die Eltern auch ein und sie werden inklusiv beschult. Es gibt Schüler, die Aufgrund einer Krankheit oder Flucht erst in der 4 Klasse es lernen müssen. Sie sind natürlich durch schlechtere Startbedingungen benachteiligt, obwohl sie dabei vielleicht hoch begabt sind.

      Was Hochsprung angeht, ist mir folgende Graphik eingefallen:

      Gleichheit ist nicht Gerechtigkeit. | Gleichheit ...

       

    • Nataliya
      Teilnehmer
      Themen: 7
      Antworten: 46

      Daher zurück zu deiner eigentlichen Frage: Welchen Mehrwert hat eine Benotung/Bewertung, die ungerecht ist?

    • Timo
      Teilnehmer
      Themen: 1
      Antworten: 11

      ganz klar: keinen. Auch bei einer „gerechten“ Bewertung zweifel ich den Wert einer solchen an. Es kann meiner Meinung nach sinnvollerweise nur so gehen:

      a) Als Lernender auf Basis von Selbsteinschätzung, die mit einem entsprechenden Rückmeldeformat dialogisch erarbeitet wird. Rückmeldeformat ist dabei eher Feedback als Zeugnis, und wie das aussehen müsste – da könnte es sinnvoll sein, etwas Neues zu (er)finden.

      b) Als Arbeitgeber/Institution: Einstellungen/Zulassungen/etc nicht auf Basis von standardisierten Zeugnissen/Zertifikaten vornehmen, sondern aufgrund von – ja, was? Ein Arbeitgeber sucht ja nach bestimmten Kompetenzen, die in einem flexiblen Test abgefragt werden könnten. (Ein persönliches Gespräch in Kombination mit einer Probezeit ist sicher immer besser, aber zB für Unis ja unpraktikabel)

    • Timo
      Teilnehmer
      Themen: 1
      Antworten: 11

      Wenn es denn einen Nachweis braucht, dann finde ich dein Beispiel mit dem Führerschein sehr gut, Nataliya! Warum sollte es auch eine Rolle spielen, wann oder wie schnell man etwas gelernt hat?

    • Markus
      Teilnehmer
      Themen: 6
      Antworten: 31

      „Gleichheit ist nicht Gerechtigkeit“ dem stimme ich zu. Und gerecht ist somit nicht immer gleich.

      Welche Aussage hätten gerechte Noten, wenn es die überhaupt gibt? Ungerechte sind auch blöd. Warum schaffen wir die Noten und Bewertungen dann nicht einfach ab?

      Ein Arbeitgeber sucht nach Kompetenzen. Warum stellt der Arbeitgeber nicht eine Aufgabe und die Bewerber lösen sie. Ist wahrscheinlich genauso zeitintensiv wie eine Bewerbung zu schreiben. Derjenige der die Aufgabe am besten löst, erhält den Job. Da brauche ich keine Note.

      Brauchen wir Feedback? Sagt das Feedback etwas über mich aus oder eher über den Feedbackgeber?

    • Sebastian Precht
      Teilnehmer
      Themen: 4
      Antworten: 22
      • Was ist für euch die Definition von Bewertung?

      Wir müssen den ganzen Tag etwas bewerten / einschätzen, und wir möchten auch gerne die Meinung von Fachleuten dazu wissen. Ob ich etwas mit einer Zahl beschreibe, Worte wie gut oder schlecht benutze, etwas dazu zeichne, es bleibt eine Form der Bewertung. Was ist für euch der Unterschied zwischen Feedback und Bewertung?

      Ich glaube, es geht eher um die Bedeutung, die ich einer Fremd-Bewertung/ Einschätzung gebe. Es geht auch darum, eine andere Meinung zu akzeptieren.

       

       

    • Nataliya
      Teilnehmer
      Themen: 7
      Antworten: 46

      @Timo: „Ein persönliches Gespräch in Kombination mit einer Probezeit ist sicher immer besser, aber zB für Unis ja unpraktikabel“: warum eingentlich nicht? Angesichts von relativ hoher Abbrecherzahlen (ca 30%, bei Naturwissenschaften sogar über 40%), wäre es sicherlich sinnvoll ein oder gar zwei „Probesemester“ anzubieten, wo man einerseits schnuppern könnte und anderseits von Dozenten bzw. Studenten (z.B. FSI, studentische Hilfskräfte etc) gecoacht wird, inwiefern der Studiengang tatsächlich mit eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Am besten hat man parallel eine Praktikumstelle in einem Betrieb/einer Firma/Praxis/Agentur, um gleich die Therie und Praxis unter die Lupe zu nehmen. Diese Instanz schreibt auch einen Bericht/eine Bescheinigung über deine Tätigkeiten/Fähigkeiten. Anschließend muss man sich aufgrund eigener Erfahrungen und Reflexionen für den gewünschten Studiengang intiativ bewerben. Vielleicht sogar noch mit einer Aufnahmeprüfung (Kunst/Musik/Theater etc.)

      NC ist sowas von NICHT zeitgemäß!!!!!!!!!!!!

       

    • Nataliya
      Teilnehmer
      Themen: 7
      Antworten: 46

      @Sebastian Der Unterschied zwischen Feedback und Bewertung ist für mich vor allem bei den nicht erwünschten bzw. negativen Ergebnissen besonders deutlich: wenn etwas nicht gelungen ist, kann man beim Feedback behutsam auf die Fehler hinweisen und konstruktive Lösungsvorschläge einbringen (postive Fehlerkultur). Es ist grundsätzlich wichtig, über die Ursachen des Erfolgs und Misserfolgs in einer Prüfung zu reflektieren (vgl. Bernard Weiner, der hauptsächlich über Leistungsmotivation geforscht hat)

      Bewertung ist viel banaler – LIKE oder DISLIKE. Oder irgendwo dazwischen. Aber es blendet Gründe für die Niederlage und Möglichkeiten zur Verbesserung oft aus, vor allem wenn es eine subjektive Fremdbewertung ist (z.B. bei Facebook oder Instagram).

      Transparenz der Anforderungen ist natürlich vor allem in der Schule sinnvoll, aber nicht immer für die Schüler nachvollziehbar. (vgl die Theorie der erlernten Hilflosigkeit, die sogar zur Depression führen kann). Es ist auch nachgewiesen, dass Lehrer oft dazu tendieren, die schwachen Schüler auch bei guten Leistungen schlechter zu beurteilen. (Leider fällt mir nicht mehr ein, wer dazu geforscht hat.)

      Grundsätzlich ist wichtig bei der Diskussion hier zu erwähnen, dass es drei unterschiedliche Arten von Bezugsnormen gibt: soziale Bezugsnorm (Ranking, Vergleich untereinander), sachliche Bezugsnorm (lernzielorientiert: man muss in der 3. Klasse das 1×1 beherrschen) und individuelle Bezugsnorm (lernfortschrittorientiert)<span style=“left: 556.667px; top: 610.287px; font-size: 18.3833px; font-family: serif; transform: scaleX(1.00519);“>. </span>

      Daher möchte ich eine weitere Dimension der Bewertung erwähnen: es ist SELBSTBewertung bzw. Selbsteinschätzung. Feedback hilft dabei die Wahrnehmungsverzerrung zu reduzieren. Man braucht grundsätzlich eine Orientierung, um das eigene Können einzuordnen, um beim Lernen in der Zone der proximalen Entwicklung (vgl. Wygotski) zu liegen.

      Es ist eine der größten Herausforderungen für den Lehrer, den Lernstand eines Schülers so einzuschätzen, um ihm die Aufgaben genau auf dem richtigen Niveau anzubieten und dabei ständig seinen Wissenstand zu überprüfen. (Scaffolding).

    • Timo
      Teilnehmer
      Themen: 1
      Antworten: 11

      Da stimme ich voll zu, Nataliya!

       

    • Nele Hirsch
      Verwalter
      Themen: 15
      Antworten: 222

      Sehr spannende Diskussion!

      Ich moderiere kurz ‚dazwischen‘, um Euch an unser gemeinsames Ziel zu erinnern:

      Wir möchten bei den #Edunauten die FAQ Online Lernen erstellen. Ihr könntet den FAQ-Eintrag ‚Welche Rückmeldeformate im Online Lernen befördern zeitgemäße Pädagogik? beisteuern. (Dort kann durchaus mit rein, ob Bewertung insgesamt überhaupt noch zeitgemäß ist).

      Ich habe ein GoogleDoc als kollaboratives Schreibdokument angelegt. Mögt ihr mal versuchen, dort gemeinsam zu einem möglichen Text zu kommen?

      (Wenn ihr dabei feststellt, dass ihr lieber mehrere kleinere FAQ-Einträge macht, ist das auch toll – und bei Eurem großen Thema sogar sehr wahrscheinlich)

      Hier ist der Link zum Doc.

       

    • Sebastian Precht
      Teilnehmer
      Themen: 4
      Antworten: 22

      @<span class=“bbp-author-name“ style=“margin: 3px 0px 0px; padding: 0px; border: 0px; outline: 0px; font-size: 13px; background-color: transparent; font-weight: bold; position: relative;“>Nataliya</span>

        <li style=“border: 0px; outline: 0px; font-size: 14px; background-color: transparent; font-family: ‚Open Sans‘, Tahoma, Verdana, sans-serif;“>Gründe für eine Bewertung sollten natürlich gegeben werden.

      • Like und Dislike – so kann es in der Schule natürlich nicht laufen.
      • Wenn ich nun in einem Feedbackgespräch bestimmte Kritieren nach Qualität und Quantität einschätze, ist das meine Bewertung, meine Sicht der Dinge
      • Ein Lehrer*in bewertet nur die Leistung: „Das 1×1 konntest du aufsagen“ (Performanz). Hieraus ergibt sich bspw. ein Kreuz in einem Kompetenzraster (Ich würde es lieber Performanzraster nennen) oder eben ein verbales Lob
      • Wahrnehmungsverzerrung klingt so als hätte man eine falsche Wahrnehmung. Ich würde es eher Wahrnehmungsergänzung nennen. (Konstruktivismus)

      <p style=“margin: 0px 0px 18px; padding: 0px; border: 0px; outline: 0px; font-size: 14px; background-color: transparent; font-family: ‚Open Sans‘, Tahoma, Verdana, sans-serif;“></p>
      <p style=“margin: 0px; padding: 0px; border: 0px; outline: 0px; font-size: 14px; background-color: transparent; font-family: ‚Open Sans‘, Tahoma, Verdana, sans-serif;“></p>

    • Markus
      Teilnehmer
      Themen: 6
      Antworten: 31

      Aus meiner Sicht dazu passend: https://twitter.com/SLesum/status/1244181892393558016

      Braucht man online keine Noten? Schule zu -> keine Noten. Gelernt wird trotzdem 🙂

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